Am 1. November 2026 fand unsere Gedenkstättenfahrt nach Terezín (Theresienstadt) statt – sie war fast vollständig ausgebucht und hinterließ bei allen Teilnehmenden bleibende Eindrücke. Frühmorgens um 8 Uhr machten wir uns mit dem Bus auf den Weg aus Aue und Zwickau. Gegen Mittag erreichten wir unsere erste Station: den Eingang zu „Richard I“, einer der Arbeitsstätten des KZ-Außenlagers Leitmeritz.
Dieses Außenlager war das Ziel der Gefangenen aus Mülsen St. Micheln, als sie am 13. April 1945 aus dem Lager herausgetrieben wurden. Vermutlich kamen sie am 17. April 1945 dort an, ca. 250 von den anfangs ca. 800 Häftlingen wurden dort registriert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Häftlinge an ihrem Ziel weiter Zwangsarbeit leisten mussten. Leitmeritz war das größte Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg und Ziel fast aller Räumungstransporte aus dessen Nebenlagern. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Häftlinge dort für das Unternehmen Auto Union Panzermotoren herstellen. Ein weiteres Werk der Firma Osram, das parallel errichtet wurde, ging hingegen nie in Betrieb. Die bedrückende Atmosphäre des Ortes machte deutlich, wie eng Zwangsarbeit und Vernichtung in den letzten Kriegsmonaten miteinander verknüpft waren. Ungefähr 4.500 von insgesamt 16.000 Häftlingen starben im Außenlager Leitmeritz. Eine weitere Parallele zwischen Mülsen und Leitmeritz: der erste Lagerkommandant in Mülsen St. Micheln, Erich von Berg, war auch in diesem Außenlager Lagerkommandant.
Nach der eindrücklichen ersten Station setzten wir unsere Fahrt nach Terezín fort – dem heutigen Namen der Stadt, die einst als Festung von der österreich-ungarischen Monarchie errichtet wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser historische Ort zu einem Symbol des nationalsozialistischen Terrors. Die kleine Festung diente der Gestapo als Gefängnis und war Schauplatz grausamer Haftbedingungen, Folter und Hinrichtungen.
In der großen Festung hingegen befand sich das jüdische Ghetto Theresienstadt. Bis heute hält die Propaganda der NS-Zeit an, dass es sich um ein „Vorzeigeghetto“ gehandelt habe. Dabei war Theresienstadt in Wirklichkeit eine Durchgangsstation für viele Jüdinnen und Juden, die von hier aus in die östlichen Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden.
Bis heute hat dieser Ort seine bedrückende Wirkung nicht verloren. Zwischen den alten Mauern und in den Ausstellungen wird das Schicksal der Menschen spürbar, die hier litten und starben. Zugleich erinnert Terezín daran, wie wichtig es ist, Geschichte lebendig zu halten und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.
Aus Zeitzeugenberichten wissen wir, dass aus der Kolonne der Mülsener Häftlinge auch Menschen von Leitmeritz aus weiter nach Theresienstadt verwiesen wurden. Wir können allerdings nicht nachvollziehen, ob sie in die kleine Festung oder das Ghetto verbracht wurden.
Die Verbindung zwischen Mülsen St. Micheln, dem heutigen Litoměřice sowie Terezín ist der Weg der Gefangenen, die sich im April 1945 von Mülsen aus auf einen Todesmarsch begeben mussten. Ihre Ankunftsorte haben ihre ganz eigene Geschichte und sind Teile des systematischen NS-Terrors. An allen drei Stationen nahmen wir an deutschsprachigen Führungen teil und konnten uns so einen umfassenden Eindruck von den Orten und ihrer Geschichte machen.
Zwölf Stunden nach unserer Abfahrt kehrten wir mit vielen neuen Eindrücken nachdenklich und erschöpft zurück.
Viele Teilnehmer*innen der Fahrt waren Lehrkräfte und wir hoffen, dass Litoměřice und Terezín auch als Gedenkorte auch Ziele für Schulexkursionen werden.