Am Abend des 13. April luden wir zu einer Gedenk- und Gesprächsveranstaltung in die Vereinshalle nach Mülsen St. Niclas ein. Anlass war die Erinnerung an den Todesmarsch von rund 800 Häftlingen des KZ-Außenlagers Mülsen St. Micheln, der sich auf den Tag genau vor 81 Jahren über mehrere Tage bis nach Litoměřice erstreckte. 83 der Häftlinge wurden in Niederschlema auf grausame Weise erschossen und anschließend verscharrt. Nur wenigen gelang damals die Flucht.
Als Gast des Abends war Hans Breuer aus Wien eingeladen. Sein Großvater Johann Brunner war im Juni 1944 aus dem KZ Flossenbürg in das Außenlager nach Mülsen St. Micheln verlegt worden. Er überlebte als einer der älteren KZ-Häftlinge die unmenschlichen Bedingungen des Lagers ebenso wie den auf die Räumung des Lagers folgenden Todesmarsch. Während des Weitertransports der Häftlinge in Güterwaggons in Richtung des KZ-Außenlagers Leitmeritz schaffte er es, auf Höhe des Ortes Kadaň aus dem Zug zu fliehen.
Hans Breuer, Jahrgang 1954, wuchs mit mit diesem familiären Wissen auf. Die Erfahrungen seines Großvaters, aber auch die seiner Mutter Rosa, die ein Gestapo-Verhör durch einen Sprung aus dem vierten Stock überlebt, prägen ihn bis heute. Auch sein Vater, der Jude war, konnte sich durch die Flucht nach Italien und England retten. Sein eigener Lebensweg ist ebenfalls außergewöhnlich: In jungen Jahren von der Schule verwiesen, schließt er sich politischen Gruppen in Österreich und Frankreich an und kehrt nach Jahren nach Österreich zurück, arbeitet unter anderem als Holzfäller und Arbeiter – bis er schließlich als Schäfer mit rund 900 Schafen wieder aufbricht. Fast fünf Jahrzehnte war er als der letzte Wanderschäfer Österreichs mit seinen Schafen unterwegs.
Während seiner Wanderjahre beginnt Hans Breuer, jiddische Lieder zu singen. Einige davon trug er an diesem Abend vor – eingebettet zwischen einfühlsamen Texten aus der Biografie seines Großvaters. Auch das weithin bekannte „Moorsoldaten-Lied“ interpretierte er. Leise sangen einige der Zuhörer im Publikum mit. Ebenso bewegend war seine Darbietung von Bettina Wegners Ballade „Sind so kleine Hände“ und eigener komponierter Lieder, die durch die musikalische Begleitung von Christian Nestler ihre volle Wirkung entfalten konnten.
Im anschließenden Gespräch sprach Hans Breuer auch über sein Buch „Partisan im Frieden“. Darin erzählt er vom Leben als Wanderschäfer und gibt zugleich tiefe Einblicke in seine Familiengeschichte. Zudem konnten einige seiner gemalten Bilder in Augenschein genommen werden, darunter eines, das den Beginn des Todesmarsches vor der Textilfabrik zeigt. Diese Bilder sind Teil eines Buchs zu der Geschichte seines Großvaters Johann Brunner, das ebenfalls bald zum Kauf zur Verfügung stehen wird.
Lieber Hans, vielen Dank für diesen bewegenden Abend. Deine Musik und die Geschichte deiner Familie haben die Gäste im Publikum sichtlich berührt.
Einen persönlichen Einblick von Hans Breuer kann man über Facebook erhalten:




