Gedenken an den Todesmarsch: "Unvergessen - gestern und heute"

Am 14. April 1945 wurden in Niederschlema 83 KZ-Häftlinge ermordet.

Im Jahr 1975 produzierte die Jugendfilmgruppe Wismut Schlema, ein Amateurfilmkollektiv im damaligen Kulturhaus „Aktivist“ in Schlema, unterstützt durch das Industriefilmstudio „aktuell“ der SDAG Wismut, den Film „Unvergessen“, der sich mit diesem Verbrechen auseinandersetzt.

Am 14. April 2026 zeigten wir den Film im Bahnhof Bad Schlema und luden im Anschluss zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Erinnerungskultur damals und heute ein.

Bereits im vergangenen Jahr konnten wir den 15-minütigen Film aus dem Wismut-Archiv dank der Förderung von Zukunftswege Ost digitalisieren und erstmals seit über 40 Jahren wieder öffentlich präsentieren. Dazu luden wir Geschichtsexpertinnen und -experten ein und diskutierten, inwiefern der Film die historischen Fakten abbildet und zugleich ein Ausdruck der Geschichtspolitik der DDR ist. Ein ausführlicher Bericht zu beiden Veranstaltungen ist online zu finden.

Beim diesjährigen Gespräch im Bahnhof Bad Schlema nahmen wir eine weitere Perspektive ein und spannten den Bogen bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt standen Fragen danach, wie sich Gedenkpraxis verändert hat und wie wir heute auf die Geschichtspolitik der DDR blicken. Auf dem Podium diskutierten Andreas Rössel, Bettina Kaufmann, Felix Forsbach und Katharina Austilat.

Andreas Rössel brachte insbesondere eine lokale Perspektive ein: Er war selbst – wenn auch erst in den 1980er-Jahren – im Jugendamateurfilmteam aktiv und wuchs in Bad Schlema auf. So konnte er sowohl von der praktischen Filmarbeit als auch vom Gedenken vor Ort aus eigener Erfahrung berichten.

Bettina Kaufmann, Lehrerin im Ruhestand, führt seit vielen Jahren Geschichtsprojekte mit Kindern und Jugendlichen durch. In diesen Projekten begeben sich junge Menschen eigenständig auf die Suche nach historischen Spuren. Sie bereicherte die Diskussion mit ihren Erfahrungen und zeigte auf, wie sich historische Bildung seit der DDR verändert hat. Eine zentrale Aussage von ihr war, dass es wichtig sei, Jugendlichen auch heute eine klare Werteorientierung zu vermitteln – ohne ihnen eine vorgegebene Geschichtsdeutung aufzuzwingen.

Felix Forsbach, der 2021 im Rahmen einer künstlerischen Residenz in Augustusburg zur nationalsozialistischen Geschichte arbeitete, ergänzte das Gespräch um einen Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland. Seiner Erfahrung nach seien Menschen in Ostdeutschland oft offener für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Gleichzeitig betonte er die Herausforderung, Formen des Erinnerns zu finden, die über ritualisierte Gedenkakte hinausgehen und sich aktuellen politischen Realitäten stellen.

Katharina Austilat berichtete aus ihrer Arbeit mit Jugendprojekten im Landkreis Leipzig. Sie knüpfte an die Ausführungen von Bettina Kaufmann an und hob die Spannungsfelder hervor, in denen sich solche Projekte bewegen: die Erwartungen der Jugendlichen, der beteiligten Erwachsenen, der Gesellschaft und auch der Fördermittelgeber. Diese unterschiedlichen Perspektiven seien Teil demokratischer Aushandlungsprozesse und gehörten untrennbar zur historischen Bildungsarbeit.

Rückblickend lässt sich festhalten: In der DDR wurde die Interpretation von Geschichte ebenso wie die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen häufig von oben vorgegeben. Heute hingegen wurde in der Diskussion immer wieder die Bedeutung von Offenheit und Interpretationsfreiheit betont – auch wenn diese mit neuen Herausforderungen einhergeht.

 

 

Über 50 Personen nahmen an der Veranstaltung im Bahnhof teil und harrten trotz der Kälte bis zum Ende aus. Bereits im Vorfeld hatten wir als Projekt an der offiziellen Gedenkveranstaltung des Ortschaftsrates am Denkmal teilgenommen.