Erinnerung lebendig halten: Schüler treffen Nachfahren eines KZ-Häftlings

Schülerinnen und Schüler der Oberschule Zschorlau hatten am 15. und 16. April 2026 die Möglichkeit, einem Nachfahren eines KZ-Häftlings zu begegnen. Hans Breuer ist der Enkel von Johann Brunner, der im Juni 1944 vom KZ Flossenbürg in das Außenlager Mülsen St. Micheln gebracht wurde. Dort blieb er bis zum Ende interniert und wurde auch auf den Todesmarsch geschickt, der das Lager am 13. April 1945 verließ. Johann Brunner gehörte somit zu jenen Häftlingen, die am Abend des 14. April durch Zschorlau getrieben wurden und die Nacht zum 15. April 1945 auf freiem Feld in Burkhardtsgrün verbringen mussten.

Für Hans war die Geschichte seines Großvaters stets Teil seines eigenen Lebens. Als Kind verbrachte er viel Zeit mit ihm und stellte ihm zahlreiche Fragen zu seiner Vergangenheit. Auch Hans’ Mutter Rosa, die Tochter von Johann Brunner, erlebte Gewalt und Verfolgung unter dem nationalsozialistischen Regime. Gemeinsam mit ihrem Vater wurde sie von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Während Johann ins KZ Flossenbürg deportiert wurde, konnte sich Rosa durch einen Sprung aus dem Fenster retten, den sie nur knapp überlebte. Hans Familie schwieg nicht über ihre Geschichte, sondern sprach offen darüber, sodass auch die Kinder früh davon erfuhren. Der Umgang der Familie Breuer mit ihren Erfahrungen war unter anderem dadurch geprägt, dass sie sich die Erlebnisse auf eine zugewandte, teils auch heitere Weise erzählten und sich auf jene Momente konzentrierten, in denen sie Glück hatten zu überleben. Für Hans war sein Großvater daher nicht nur mit schweren Erinnerungen verbunden, sondern auch ein fürsorglicher Opapa, der mit den Kindern Ausflüge unternahm und für Heiterkeit sorgte.

Die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Oberschule Zschorlau trafen Hans Breuer zu einem Gespräch. Gespannt hörten sie ihm zu und stellten Fragen darüber, wie es ist, mit einer solchen Familiengeschichte aufzuwachsen. Die Klasse 8a erarbeitete daraus ein Interview, das sie nach dem Workshoptag im Haus der Vereine öffentlich präsentierte. Die Veranstaltung fand am 15. April 2026 statt – genau 81 Jahre nachdem der Todesmarsch Zschorlau erreicht hatte. Mit ihrer Aktion setzte die Klasse ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen.

Am Ende des Tages waren nicht nur die Schülerinnen und Schüler von Hans’ Geschichte bewegt, sondern auch er selbst zeigte sich gerührt vom großen Interesse der Klasse. Er betonte, dass sein Großvater sich wohl kaum hätte vorstellen können, dass sein Enkel eines Tages im Erzgebirge vor einer Schulklasse stehen und seine Geschichte weitertragen würde. Abschließend erklärten einige Schülerinnen und Schüler, was ihnen heute wichtig ist und welche Lehren sie aus dem Thema ziehen. Die Veranstaltung endete mit den Worten eines Schülers:

„Ich konnte mitnehmen, dass mir Freiheit sehr, sehr wichtig ist. Wir sind nicht gezwungen zu irgendetwas, und wir haben alle unseren freien Willen – das hatten die Menschen damals nicht. Das können wir sehr schätzen.“

 

Am Donnerstag, den 16. April 2026, begegnete Hans der Klasse 8. Auch in dieser Konstellation wurde das Gespräch sehr persönlich und eindrücklich für die Schüler und sie nahmen am Ende des Tages eine eigene Podcastfolge mit Hans als Gesprächsgast auf.

So hat Hans die beiden Tage selbst dokumentiert: