Am vergangenen Samstag fuhren wir mit über zwanzig interessierten Privatpersonen nach Berlin, um das Haus der Wannseekonferenz und die Topographie des Terrors zu besichtigen. Die Idee für diese Fahrt war bereits im vergangenen Herbst entstanden, nachdem eine Tagesfahrt zur Gedenkstätte Theresienstadt stattgefunden hatte. Nach den Eindrücken in Theresienstadt besuchten wir nun den Ort, an dem die Organisation und Umsetzung des Holocaust geplant worden war. Das Treffen, das dort am 20. Januar 1942 mit hochrangigen politischen Vertretern stattfand, wurde in einem Protokoll dokumentiert. Ein Exemplar dieses Protokolls ist erhalten geblieben und bezeugt die Entscheidungen, die an diesem Tag getroffen wurden. Während der Führung erhielten wir einen umfassenden Eindruck von den Vorläufern der Besprechung 1942 und den Folgen, die die Entscheidungen ermöglichten. Zu der Konferenz selbst beschäftigten wir uns mit dem Protokoll und entschlüsselten die bedeutungsträchtigen Formulierungen und Textstellen.
Außerdem erfuhren wir, wie schwierig es in der Nachkriegszeit war, den Ort zu einem Lern- und Gedenkort zu machen. Das Gebäude wurde zwischenzeitlich sogar als Schullandheim genutzt. In der westdeutschen Bevölkerung bestand lange Zeit wenig Interesse an einer umfassenden Aufarbeitung – trotz der langjährigen öffentlichen Bemühungen des Holocaust-Überlebenden Joseph Wulf. Einen besonders starken Eindruck hinterließ bei allen Teilnehmenden der Gegensatz zwischen der idyllischen Lage des prächtigen Anwesens am See und den weitreichenden, grausamen Entscheidungen, die dort getroffen wurden und die zur Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden führten.
Als zweite Station besuchten wir die Topographie des Terrors im Zentrum Berlins. Dort befanden sich einst die Gestapo-Zentrale sowie das Reichssicherheitshauptamt und er gilt als der zentrale Ort, von dem aus die nationalsozialistischen Verbrechen von Gestapo und SS geplant und organisiert wurden. Die Ausstellung macht die Schritte zur nationalsozialistischen Machtübernahme sowie den Aufbau des Terror- und Entrechtungsapparates anschaulich. Zudem wird deutlich, welche (Teil-)Organisationen im NS-Apparat welche Rollen spielten und wohin die nationalsozialistische Politik letztlich führte.
Beide Orte vermitteln eindrucksvoll die Tätergeschichte des Nationalsozialismus auf höchster organisatorischer Ebene. Damit stand dieser Besuch im Kontrast zu der lokalhistorischen Auseinandersetzung innerhalb des Projekts "DenkMal!", in dem die Beschäftigung mit dem KZ-Außenlager in Mülsen und dem Todesmarsch der Häftlinge durch die unmittelbare Region im Fokus steht. Es war jedoch spannend, mehr über die Planungs- und Entscheidungsebene zu erfahren und einordnen zu können, wie aus abstrakten Strukturen konkrete Gewalt vor Ort entstand.



