Vom 26. bis 30. Januar 2026 waren an der Oberschule Westerzgebirge in Bad Schlema sieben Schülerinnen und Schüler der Szkoła Podstawowa Niechorze zu Gast. Wir begleiteten die Gruppe, bestehend aus den polnischen Schüler*innen und ihren deutschen Austauschpartner*innen, am Vormittag und erkundeten gemeinsam die lokale Geschichte. Im Fokus standen der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus sowie die jugendlichen Perspektiven auf diese Themen.
Die Woche begann mit dem gegenseitigen Kennenlernen der Gruppe. Für die deutsche Gruppe bedeutete dies auch, erste Worte auf Polnisch zu lernen. Die polnischen Schüler*innen lernen bereits Deutsch als Fremdsprache und konnten ihre Sprachkenntnisse auf spielerische Weise einsetzen.
Am Dienstag fuhren wir gemeinsam nach Mülsen St. Micheln und besichtigten das ehemalige KZ-Außenlager. Neben dem Ort lernten die Schüler*innen auch die Geschichte von Tadeusz und Andrzej Sobolewicz kennen. Tadeusz kam mit einem der ersten Transporte im Frühjahr 1944 als politischer Häftling aus Polen nach Mülsen. Er überlebte den Brand am 1. Mai 1944 und schildert seine Erlebnisse sowie seine Zeit im Außenlager in Mülsen eindrücklich in seinem Buch „Aus der Hölle zurück“ (auf unserer Website auch als Audiodatei zu finden). Andrzej, sein Sohn, reiste im April 2025 eigens nach Mülsen, um bei der Gedenkfeier eine Rede zu halten und von seinem Vater zu erzählen. Die Geschichte der Familie Sobolewicz bewegte die Jugendlichen tief und nachhaltig.
Am Mittwoch setzte sich die Gruppe mit dem Denkmal am Kohlweg in Bad Schlema auseinander. 83 der KZ-Häftlinge aus Mülsen St. Micheln wurden dort erschossen und begraben. Wir erkundeten gemeinsam das Denkmal und diskutierten über seine Symbolik. Außerdem tauschten sich die Jugendlichen darüber aus, auf welche Weise in ihrem persönlichen Umfeld über den Nationalsozialismus und seine Auswirkungen gesprochen – oder geschwiegen – wird.
Kreativität und künstlerischer Ausdruck standen am Donnerstag im Vordergrund: Bei einem Besuch der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg gestalteten die Teilnehmenden persönliche Postkarten mithilfe verschiedener Drucktechniken. Die Postkarten sollen sie in einigen Wochen – bevor es im Mai für die Gruppe aus Bad Schlema nach Polen geht – an ihre Austauschpartner*innen versenden.
Während der gesamten Woche nahmen die Schüler*innen in binationalen Tandems Videotagebücher auf. Ein Teilnehmer erklärte sich sogar bereit, aus dem vorhandenen Material ein gemeinsames kollektives Video zusammenzuschneiden, und präsentierte dieses am Freitag zum Abschluss der Austauschwoche. Danke, Laurence!
Am Ende der Woche waren sich die Teilnehmer*innen einig: Es ist wichtig, sich trotz der Schwere und Ernsthaftigkeit des Themas damit auseinanderzusetzen und miteinander darüber zu sprechen. Der Austausch half, einander besser zu verstehen, und machte zugleich die Idee einer gemeinsamen europäischen Zukunft, die von einer jungen Generation gestaltet wird, greifbar.